Vergessene Waldformen: Neue Broschüre beleuchtet ökologischen und soziokulturellen Wert von Mittel- u. Niederwäldern
023 - 14.04.2026
Vergessene Waldformen im Fokus: Neue Broschüre beleuchtet den ökologischen und soziokulturellen Wert von Mittel- und Niederwäldern
Würzburg (ruf) – Im späten 17. und 18. Jahrhundert wurden zwei Drittel der Wälder in Deutschland als Mittel- oder Niederwälder genutzt. Heute nehmen sie nur noch etwa 0,1 Prozent der deutschen Waldfläche ein. Die kürzlich erschienene Broschüre „Mittel- und Niederwälder in Bayern“ zeigt auf 88 Seiten, warum es sich lohnt, die letzten Bestände dieser besonderen Waldnutzungsformen zu erhalten. Herausgegeben wurde sie vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und dem Biodiversitätszentrum Rhön (BioZ). Am Freitag wurde sie im Güterwald Willanzheim von den Spitzen der beteiligten Landesfachbehörden und der Regierung von Unterfranken vorgestellt.
„Knapp die Hälfte der deutschen Mittel- und Niederwälder befindet sich in Franken“, stellte Jochen Lange, Regierungsvizepräsident von Unterfranken fest und unterstrich so die besondere Verantwortung des Freistaats Bayern für ihren Erhalt. Die Fortführung dieser arbeitsintensiven Bewirtschaftungsformen wird deshalb mit zahlreichen Initiativen unterstützt. Darunter das Projekt „Lichte Wälder in Franken“, in dessen Rahmen die neue Veröffentlichung erarbeitet wurde.
„Die Broschüre ist ein wichtiger Baustein der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit und lädt dazu ein, diese besondere Form der Waldbewirtschaftung kennen und schätzen zu lernen“, so Dr. Peter Pröbstle, Präsident der LWF. Die bayerischen Forst- und Umweltverwaltungen fördern die Bewirtschaftung von Mittel- und Niederwäldern zudem mit dem Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald).
Ziel der Publikation ist es, die Wahrnehmung und Wertschätzung von Mittel- und Niederwäldern zu stärken. Entsprechend liegt der Fokus auf ihrem kulturellen und ökologischen Wert sowie auf den Menschen, die diese Wälder bewirtschaften und pflegen. Interviews mit Bewirtschaftern und Menschen aus den Forst- und Umweltverwaltungen geben unter anderem Einblicke in die seit Jahrhunderten angewandten Bewirtschaftungsregeln und -techniken. Diese gelebte Tradition hat einigen Wäldern sogar die Auszeichnung als Immaterielles Kulturerbe eingebracht. Gleichzeitig zeigen sie die persönliche Motivation der Akteure, sich für den Erhalt dieser besonderen Waldformen einzusetzen. Gestützt auf aktuelle Monitoring-Ergebnisse verdeutlicht die Broschüre zudem die immense Artenvielfalt dieser Lebensräume. „Mittel- und Niederwälder zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Bayerns. Allein in den Mittelwäldern Frankens konnten etwa 80 Tagfalterarten und rund 550 Arten holzbewohnender Käfer nachgewiesen werden“, erklärt Dr. Monika Kratzer, Präsidentin des LfU.
Die Broschüre ist über den Bestellshop der Bayerischen Staatsregierung unter www.bestellen.bayern.de kostenfrei erhältlich und kann zur weiteren Verteilung auch in höheren Stückzahlen abgerufen werden. Anschauliche Grafiken und die Klärung der grundlegenden Begrifflichkeiten machen das Thema einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Aber auch Bewirtschafter von Mittel- und Niederwäldern erhalten neben Einblicken in andere Wälder neue Impulse zum Beispiel zu alternativen Erntemethoden und den Chancen im Klimawandel.
Anlage 1: Foto
Von links: Jochen Lange (Regierungsvizepräsident von Unterfranken), Ingrid Reifenscheid-Eckert (Erste Bürgermeisterin Willanzheim), Antje Voll (Leiterin Biodiversitätszentrum Rhön), Dr. Monika Kratzer (Präsidentin des LfU) und Dr. Peter Pröbstle (Präsident der LWF).
Bildautor: BioZ/Susanne Mader-Speth
Anlage 2: Foto
Rund 50 Teilnehmende waren der Einladung des Biodiversitätszentrums Rhön der Regierung von Unterfranken gefolgt.
Bildautor: BioZ/Susanne Mader-Speth
